Die hellen Tage

Ich wünsch mir die hellen Tage zurück,

die himmelblauen,

reißfesten,

die schwalbengleich segelnden,

die sonnigen Tage, die hielten,

was der Kalender versprach.

Abendfreuden,

die Abwesenheit von täglicher Trauer.

Daran, dass das Sterben zum Leben gehört,

will ich mich nicht gewöhnen.

Ich wünsch mir die hellen Tage zurück.


Jede Unterhaltung über Corona. Immer. (Ein Onlinefund)

Jede Unterhaltung über Corona. Immer.

„Ich glaube nicht an das Virus!“

Ich: „Das ist nicht schlimm – das Virus ist so oder so da, auch wenn Du nicht daran glaubst.“

„Es ist sowieso Teil einer großen Verschwörung!“

Ich: „Wie das? Ich dachte, es sei nicht da?“

„Ist es auch nicht, aber es soll uns Angst machen.“

Ich: „Wieso?“

„Weil man uns impfen will!“

Ich: „Also ich möchte geimpft werden, sobald eine Impfung gegen COVID-19 verfügbar ist.“

„Hast Du Dich auch gegen die anderen 18 impfen lassen?“

Ich: „Welche anderen 18?“

„Na, COVID-19‽“

Ich: „Ähm, das ist das Entdeckungsjahr.“

„Das ist nicht entdeckt worden. Gibt es ja auch gar nicht.“

„Bill Gates will uns alle impfen.“

Ich: „Wieso?“

„Er hat die WHO gekauft! 80 % von deren Geld stammen von ihm. Wusstest Du, dass COVID für Impfpass steht? Certification of Vaccination Identification!“

Ich: „Tut es nicht. Und die 80 % kommen von Ken Jebsen und sind falsch, steht im WHO-Jahresbericht. Kann man nachlesen.“

„Aber er will uns alle chippen. Das steht auch in der Johannes-Offenbahrung. Glaubst Du dem WHO-Jahresbericht mehr als der Bibel?“

Ich: „Gott hat was über Bill Gates reingeschrieben, aber nicht über das Virus?“

„Ich weiß nicht, was er genau geschrieben hat, musst Du selbst lesen. Sei kein Schaf!“

Ich: „Aber Du hast es nicht gelesen?“

„Nein, aber ich habe darüber gelesen! Bei Leuten, die sich damit auskennen!“

Ich: „Hast Du geprüft, ob das stimmt?“

„Nein. Wieso auch? Das leuchtet doch ein!“

Ich: „Also glaubst Du alles ungeprüft, was einleuchtet?“

„Nein.“

Ich: „Aber das?“

„Nein. Ich hinterfrage alles!“

Ich: „Aber Du hast es doch nicht selbst gelesen?“

„Muss ich auch nicht. Ich habe meine Quellen. Denen vertraue ich.“

Ich: „Und warum möchtest Du Dich nicht impfen lassen?“

„Weil da Gift drin ist!“

Ich: „Aber die Impfung gibt es doch noch gar nicht.“

„Doch klar! Die, die das Virus in Wuhan erschaffen haben, haben das Gegenmittel. Das geht alles von den Chinesen aus.“

Ich: „Das Virus gibt es also doch?“

„Nein.“

Ich: „Wieso gibt es dann schon eine Impfung?“

„Na, das gehört zum Plan.“

Ich: „Welchem Plan?“

„Na, dem von Bill Gates.“

Ich: „Der arbeitet mit den Chinesen zusammen?“

„Ja, und Trump und Putin tun ja ihr Möglichstes dagegen. Aber es hilft nichts.“

Ich: „Was tun die denn?“

„5G aufhalten! Das Land öffnen, gegen die Opposition! Kinder retten!“

Ich: „Was hat jetzt 5G damit zu tun?“

„Damit soll unser Immunsystem geschwächt werden, damit uns das Virus erwischen kann. Die Weltbevölkerung soll dezimiert werden. Kannst Du im Internet nachlesen.“

Ich: „Man kann alles im Internet nachlesen, das sagt noch nichts über den Wahrheitsgehalt aus. Und wie kann ein erfundener Virus unser schwaches Immunsystem ausnutzen?“

„Die retten auch Kinder.“

Ich: „Wovor? Und was ist jetzt mit dem Virus? Erfunden oder nicht?“

„Vor der Folter!“

Ich: „Welcher Folter?“

„Tom Hanks und viele aus der Elite wollen das Kinderblut trinken.“

Ich: „Warum wollen sie das? Und der Virus?“

„Damit sie länger leben!“

Ich: „Woher hast Du das?“

„Xavier Naidoo hat mich darauf gebracht. Er hat das herausgefunden. Er recherchiert da seit 20 Jahren!“

Ich: „Nein, er macht seit 20 Jahren schlechte Musik. Er ist Sänger, kein Journalist oder Wissenschaftler. Und auch nicht Ermittler.“

„Sänger können auch recherchieren!“

Ich: „Und was ist jetzt mit dem Virus?“

„Was soll damit sein?“

Ich: „Na, existiert es, oder nicht?“

„Das kann ich nicht genau sagen. Aber eher nicht. Ich kenne niemanden, der es hat.“

Ich: „Naja, es sind bloß 0,2 % der Bevölkerung in Deutschland infiziert. Die Chance, dass man niemanden kennt, der das Virus hat, ist recht groß.“

„Na also, da haben wir’s!“

Ich: „Was?“

„Na, niemand ist infiziert!“

Ich: „Mit einem Virus, das es nicht gibt?“

„Genau!“

Ich: „Im Ernst, wie kommst Du drauf?“

„Na, hast Du doch gerade eben gesagt!“

Ich: „Wo das?“

„Du hast gesagt, es sind nur 0,2 % infiziert. Das ist doch fast niemand!“

Ich: „Das sind bei über 83 Millionen Deutschen immer noch über 170.000 Menschen!“

„Das stimmt nicht. Das sind nur 0,2. Und außerdem sind das ja nicht alles Deutsche!“

Ich: „Was hat das denn damit zu tun?“

„Na, Du hast doch gesagt: 83 Millionen Deutsche. Da sind doch auch Ausländer dabei!“

Ich: „Nein. Aber was hat das damit zu tun?“

„Ausländer füttern wir mit durch!“

Ich: „Wie kommst Du jetzt drauf?“

„Na, die kriegen den Impfstoff ja kostenlos!“

Ich: „Selbst wenn es so wäre: Du willst ihn doch gar nicht, was schert Dich das?“

„Wenn Ausländer ihn kostenlos bekommen, wieso müssen wir ihn bezahlen?“

Ich: „Musst Du ja nicht. Das ist doch Deine Entscheidung!“

„Ich darf ja nichts mehr, wenn ich mir kein Gift spritzen lasse.“

Ich: „Was darfst Du dann nicht mehr?“

„Rausgehen.“

Ich: „Wer sagt das?“

„Merkel.“

Ich: „Hast Du eine Quelle?“

„Weiß doch jeder.“

Ich: „Also hast Du keine Quelle?“

„Habe ich gelesen.“

Ich: „Wo?“

„Bei jemandem, dem ich vertraue.“

Ich: „Okay. Und wie kommst Du darauf, dass der Impfstoff Gift ist, oder sogar tödlich?“

„Weil ich den Plan kenne.“

Ich: „Welchen Plan?“

„Den Plan, die Bevölkerung zu dezimieren.“

Ich: „Du weißt schon, dass es noch keinen Impfstoff gibt?“

„Jeder weiß, was da drin sein wird.“

Ich: „Wieso haben wir ihn dann noch nicht, wenn jeder das weiß?“

„Gift. Es ist immer Gift drin. Um uns zu kontrollieren. Schon als Kinder!“

Ich: „Du weißt, dass auf Impfstoffen draufsteht, was drin ist, oder?“

„Das glaubst Du?“

Ich: „Es gibt kaum etwas in Deutschland, was so gut kontrolliert wird, wie Medizin.“

„Ja, von Merkel. Was ich davon halte, weißt Du ja.“

Ich: „Merkel kontrolliert Impfstoffe?“

„Nein, aber ihre Handlanger.“

Ich: „Ich weiß nicht mehr, was ich dazu noch sagen soll.“

„Ich auch nicht. Mit Dir kann man sich nicht vernünftig unterhalten. Das bringt nichts.“

Ich: „Oh, woran meinst Du, könnte das liegen?“

„Ich habe so viele Informationen über alles, was so passiert, und Du bist ein höriges Schlafschaf, das der Elite wirklich alles glaubt. Du solltest besser aufwachen.“

(Danke an die unbekannte Autorin/den unbekannten Autor)


Risikogruppe

„Sie sind Risikogruppe“, sagte der Arzt.

Blitzartig werde ich zur multiplen Persönlichkeit im Ausnahmezustand. Ich diskutiere mit mir meine Möglichkeiten und bin enttäuscht. Das ist nicht mein Leben. Aber: Ich bin vernünftig. Bleibe am Schreibtisch, möglichst oft, vom Balkon vertreibt mich die nistende Meise.

Streunende Katzen beobachte ich vom Fenster aus. Pralles Gelb blühender Narzissen lockt.

Familie, Freunde, Nachbarn – alle bieten Hilfe an, aber ich habe alles. Sogar das offenbar Wesentlichste: Toilettenpapier.

Inzwischen habe ich zum ersten Mal gehört, dass man nun abwägen müssen, ob sich der ganze Aufwand für die Risikogruppe lohne, oder nicht doch unverhältnismäßig sei.

Ich kann die Frage beantworten: Er ist unverhältnismäßig und lohnt sich nicht.


Altersstarrsinn

Alt sein, ist sinnvoll.

Starrsinn notwendig.

Ungeschminkt eine ehrliche Haut sein,

die Knospen in Watte packen,

gegen die Rechtsdenker,

jene Missmutigen,

die auf Allen und Allem herumtrampeln.

Wir müssen hexengleich zaubern,

schnell, aber achtsam,

unseren Humor in die Waagschale werfen.

Das müssen wir jetzt und sofort erledigen.

Es reicht ein bescheidenes Rückgrat.


Meine fremde Trauer

Der Großvater meiner zugezogenen, adoptierten Enkelkinder ist gestorben. Wir sind nicht verwandt. Meine vier syrischen Enkelkinder können nicht zur Beerdigung ihres Großvaters reisen. Ihre Mutter kann ihren Vater nicht auf dem letzten Weg begleiten. In Syrien ist Krieg. Und plötzlich ist die fremde Trauer nah.


Die gebrechliche Katze

Die gebrechliche Katze,

schleicht

– jenseits jeglicher Vernunft –

sich fort aus der Wärme des Hauses,

frierend.

Zusammengerollt im Schnee

träumt sie von anderen Zeiten.

Man findet etwas Besseres als den Tod eben nicht überall.


Der Pakt mit dem Teufel

Sie sind zu allem fähig, das wusste ich.

Trotzdem war ich überrascht.

Wenn ich wüsste wohin, würde ich Koffer packen, wie meine Großmutter 1933.

Heimat, meine Trauer…


Berlin

Berlin ist die Stadt, in der sich Fuchs und Mensch „Gute Nacht“ sagen.


Stille

Stille wünsche ich mir,

aber nur ganz leise,

damit ich nicht störe.


Land im Dämmerschein

Was ich höre, macht mich sprachlos.

Mir fehlen die Worte.

Ich trauere um meine verlorende Heimat,

die doch nicht mehr als ein Gefühl war.

Aufatmen im Nachbarland.

Dort verstehe ich zu wenig.

Ein Glück, denke ich.