Offener Brief am Tag der Türkischen Presse an Erdogan und Yildirim – PEN-Zentrum

ZUR KENNTNIS

Pressemitteilung, Darmstadt, 24. Juli 2017

Messieurs les Présidents,

Bay Erdogan

Bay Yildirim

Ich schreibe Ihnen diesen Brief, den zu lesen Sie wohl nicht die Zeit haben werden.

Oder sind Sie gerade nicht damit befasst, neue Deals und Taten zu planen, die das Tageslicht und eine kritische Berichterstattung durch eine freie Presse scheuen?

Ich schreibe Ihnen diesen Brief, den zu lesen Sie wohl nicht den Mut haben werden.

Denn Politiker, die Verantwortung dafür tragen, dass in ihrem Land binnen eines Jahres

  • mindestens 145.000 Beamte entlassen werden
  • mehr als 47.000 Menschen unter überwiegend absurden Anklagen, die einer rechtsstaatlichen Beweisführung nicht standhalten, inhaftiert werden und 100.000 Fälle vor dem Verfassungsgericht anhängig sind
  • mindestens 165 Journalisten verhaftet werden, was Ihr Land zum weltweit größten Gefängnis für Journalisten macht
  • dass mindestens 160 Verlags- und Medienhäuser geschlossen werden
  • und mindestens 1300 Verbände und Organisationen verboten werden –

solche Politiker werden von Angst beherrscht und regieren selbst mit Angst und Willkür.

Ich schreibe Ihnen diesen Brief, den zu lesen Sie wohl nicht den Anstand haben werden.

            Denn anständige türkische Politiker würden am 24. Juli den Tag der Türkischen Presse feiern und daran erinnern, dass am 24. Juli 1908 die Zensur in der Türkei abgeschafft wurde. Sie würden die besten Journalisten ihres Landes einladen und mit Preisen für mutige Berichterstattung auszeichnen, anstatt sie an den Pranger zu stellen und ins Gefängnis zu werfen.

Ich schreibe Ihnen diesen Brief, den zu lesen Sie wohl nicht genug Liebe zu Ihrem Land haben werden.

Denn sonst wären Sie stolz auf die bald hundertjährige Geschichte der Zeitung, die sich den Namen „Republik“ gab und die die älteste Zeitung in der modernen Türkei ist, Cumhuriyet. Seit 1924 hat die Zeitung fünf Militärcoups überlebt. Viele ihrer Journalisten wurden inhaftiert, gefoltert oder fielen sogar politischen Attentaten zum Opfer. Noch nie aber gab es eine solche konzertierte Anstrengung, die Zeitung gänzlich zu eliminieren. Dieser Angriff auf die Cumhuriyet ist ganz offensichtlich ein politischer Angriff und zielt direkt auf die Pressefreiheit und die säkulare Republik.

Ich schreibe Ihnen diesen Brief, den zu lesen Sie wohl nicht die Größe haben werden.

            Denn sonst würden Sie für eine unabhängige Justiz sorgen, anstatt martialische Reden zu schwingen, in denen Sie Ihren angeblichen Feinden barbarische Aktionen androhen. Sie würden Ihren Kritikern mit Respekt und auf Augenhöhe begegnen.

Messieurs les Présidents, Bay Erdogan, Bay Yildirim,

Ich schreibe Ihnen diesen Brief, um Sie aufzufordern: Zeigen Sie Mut, Anstand und Größe. Beweisen Sie die Liebe zu Ihrem Land, indem Sie den Ausnahmezustand beenden. Und beenden Sie die Politik der Spaltungen – zwischen Türken und Kurden in Ihrem Land, zwischen türkischen oder türkisch-stämmigen und deutschen Bürgern in Deutschland. Mit Ihrer Politik und Ihrem Gebaren leisten Sie den Türken in Deutschland keine guten Dienste, im Gegenteil: Sie beschwören Konflikte herbei, die die deutsch-türkischen Beziehungen um Jahrzehnte zurückwerfen können.

Messieurs les Présidents, Bay Erdogan, Bay Yildirim,

Setzen Sie heute, am Tag der Türkischen Presse, ein Zeichen. Setzen Sie sich für die Freilassung der zu Unrecht inhaftierten politischen Gefangenen ein und für die Einstellung des Prozesses gegen die Mitarbeiter der Cumhuriyet, der heute, am 24. Juli, beginnt. Von den 17 Mitarbeitern – die Namen rufe ich Ihnen nachfolgend in Erinnerung – sitzen acht Journalisten und drei Rechtsanwälte seit nun mehr über neun Monaten lediglich für ihre kritische Berichterstattung in Haft. Diese tapferen Männer und Frauen – und ihre Familien, die zum Teil auf barbarische wie hilflose Weise unter das Verdikt der Sippenhaft gestellt sind – sie verkörpern für mich das Beste und Schönste im Menschen, das Politikern wie Ihnen fehlt. Wahre menschliche Größe. Anstand, Aufrichtigkeit, Mut. Wahrheitsliebe und Freiheitsliebe und Liebe zu ihrem Land wie zu einer in Frieden lebenden Menschheit.

Und so sehr Politiker wie Sie auch geifern und all das zu unterdrücken versuchen: Wahrheit und Gerechtigkeit werden am Ende doch siegen.

Regula Venske

Präsidentin des PEN-Zentrums Deutschland


Es regnet, es regnet… und wieder denke ich an Uwe…

So nass wie am Sonnabend bin ich in den letzten Jahren nie geworden. So häufig so stark geregnet hat es auch nicht.

In den Baum gegenüber hat der Blitz eingeschlagen, zwei Autos wurden „verletzt“.

Wir haben noch Tee getrunken, dann ist mein Gast barfuß nach Hause gegangen.

Und ich dachte an Uwe… Und heute regnet es wieder, und ich denke wieder an ihn.

Er war ein guter Mensch, ein guter Freund, und ich vermisse ihn immer noch.

Ausnahmsweise verlinke ich mich selbst.

Und versuche gut zu sein…

 

 


Sicher ist sicher

Wieder so ein Foto, dessen Details ich erst zu Hause entdecke: Da haben sich die Fliegen einen sicheren Landeplatz gesucht! (Auf’s Foto klicken, dann wird es groß.)

Großer FROSCH und kleine Fliegen

Großer FROSCH und kleine Fliegen


Rätsel – Was ist das?

Was ist das?

Was ist das?


Schafgarben-Logik

Schafgarbe ist nichts für Pferde, sagte S. Deshalb heißt es ja Schaf-garbe. Betonung auf Schaf.

S. hat recht, Pferde mögen keine Schafgarbe, Schafe fressen aber auch nur die Blätter.

Getrocknet hilft Schafgarbe allerlei Tieren, auch der hochentwickelten Art Mensch, selbiger kann sich aber bei Bedarf auch einen Tee aus den frischen Blüten machen. Hilft zum Beispiel gegen Bauchschmerzen.


Ohne Worte

Sonnenblume

Guten Morgen!


Sanfte Blüte

Sxhön

Schön


Gestern: Abendspaziergang mit K.

Ich war unterwegs zu den Pferden. Das weiße Pferd – ich finde, das klingt schöner, als „der Schimmel“ – kommt immer sofort. Der kräftige Braune läuft gewöhnlich hinterher. Auf dem Weg kam mir eine Frau auf einem Fahrrad entgegen, wir begrüßten uns, wie es hier üblich ist. Etwa eine halbe Stunde später überholte sie mich, hielt an und fragte: Haben Sie es noch weit?

Ich gehe nur spazieren…

Ich könnte Sie ein Stück mitnehmen, sagte sie. 

Wir lächelten angesicht des Fahrrads beide. Die Frau, die ich hier K. nenne, war mindestens so neugierig wie ich.

Wohnen Sie hier? Oder nur zu Besuch?  In W., in Z. oder in S.?

Wenn Sie Zeit haben, dann zeige ich Ihnen etwas ganz Einmaliges – die Sonnenbank, den schönsten Ort, um den Sonnenuntergang zu genießen.

Den schönsten Ort der Welt, das sagte sie nicht´, meinte es aber.

Wir redeten über die Sibylle (Modezeitschrift), das Fotogeschäft am Alex, in dem alte Kameras kaufen konnte, Aurora Lacasa, alte und neue´Zeiten, Filme, Kinder und Enkel, das Fotografieren – K ist Fotografin – über die Welt, nur über Gott haben wir nicht gesprochen. 

Jetzt weiß ich, dass man aus den Beeren der Eberesche eine schmackhafte Marmelade machen kann und kann immer wieder die Sonnenbank besuchen, den schönsten Ort der Welt, um den Sonnenuntergang zu genießen. Jedenfalls hier.

(Internetwüste – deshalb mit Verspätung online)

 


Abendspaziergang mit G.

G. ist Sozialarbeiter und älter als Methusalem. Ich darf das schreiben, er hat es erlaubt. Ich kenne G. seit meiner Kindheit, er war damals schon uralt. G. kann gut zuhören, redet aber noch lieber. Er erzählt ununterbrochen Geschichten, von denen er behauptet, dass sie sich wirklich zugetragen haben. Heute erzählte er mir folgende:

Ein vierjähriger Junge, um den sich G. besonders kümmerte, weil beide Eltern Alkoholiker waren, flüchtete eines Nachts aus Angst vor den gewalttätigen Eltern, die sich heftig stritten, hinaus auf die Straße. Seine Eltern bemerkten das nicht. G., wohnte mehr als 5 km entfernt, entsprechend erstaunt war er, als der Kleine nachts um 2:00 Uhr vor seiner Tür stand. Nie vorher war der Junge bei G. gewesen, nur einmal hatte der Vater im Vorbeifahren mit der Straßenbahn gesagt: Da wohnt G. Das Kind erzählte auch noch nach Jahren, es habe den Weg mit Hilfe eines schwarzen Vogels gefunden, der vor ihm hergeflogen sei.

G. meint, solche schwarzen Vögel tauchen immer dann auf, wenn wir besonders hilflos sind. Man muss sie sich nur wünschen. Dann sieht man sie auch.

Vor uns hüpfte eine – natürlich schwarze – Amsel über den vom Regen noch feuchten Asphalt. Jemand hatte mit Kreide auf die Straße geschrieben: Das Leben ist kein Stock aus Draht.


Brüderliche Liebe

Heute kam schon am Vormittag ein Paket für eine Nachbarnfamilie.

Mittags klingelte H., der ältere zweier Brüder. Als ich ihm das Paket übergab, war sein Gesicht voller Freude. Das ist für F. (den jüngeren Bruder), sagte er, Schuhe, da wartet er schon seit 3 Wochen drauf.

Es war schön zu sehen, wie glücklich der ältere Bruder war, dass der jüngere die lang ersehnten Schuhe bekommen würde.