Ab morgen wird alles anders

Ab morgen wird alles anders, deshalb musste ich tausende Klicks bewältigen, allen bestätigen, dass sie die Daten von meiner Visitenkarte in ihr Adressbuch übertragen können, meinem Briefträger gestatten, meinen Namen auf dem Kasten zu lesen und mit meiner Post in Verbindung zu bringen, sowie den Namen in seinem Gedächtnis zu speichern…

Ich habe 291 E-Mails mit neuen Datenschutzerklärungen erhalten und an zwei mitgearbeitet.

Ab morgen kenne ich niemanden mehr, der mir nicht ausdrücklich die Genehmigung zur Verwendung seines Namens erteilt hat.

Sicher ist sicher.

Ab morgen halten sich sowieso alle an den Datenschutz.


Schade – zweimal

Schade – wie heißt das Substantiv dazu, fragt mich Z.

Ich antworte unüberlegt: Schaden. Korrigiere mich: Ganz so ist das nicht!

Als ich E. mitteile, dass ich zu müde bin und dringend ins Bett muss, sagt sie: Schade, dass Du keine Katze dabei hast, die schnurren so schön.

Miez

Miezekatze – schnurr


Kennen lernen (Notizen)

E.E. bat mich um Aufzeichnng unseres Kennenlernens. Wann war das? Irgendwann Mitte der 80-er Jahre. 85 oder 86… Eigentlich aber erst zwei Jahre nach der Wende. So richtig – wenn das Kennen etwas mit der Tätigkeit lernen zu tun hat. Hat es. Umgekehrt reziprok im Idealfall.

Freundschaft schließt man, ohne sie beschlossen zu haben. Man hat dann schon etwas über einander gelernt. Ist sich näher gekommen, vielleicht sogar gefährlich nahe. Je näher man einem Menschen bereits gekommen ist, um so gefährlicher wird es. Verlustangst.

Im besten Fall steigt die Neugier aufeinander auch bei längerer Freundschaft.

Andere Variante:

Du wirst mich schon noch kennenlernen! Will ich nicht…

Die sprichwörtliche Feindschaft zwischen Hund und Katze beruht auf einem Missverständnis, „sprachlicher“ Fehlinterpretation auf beiden Seiten.

Mit den Schwanz wedeln Hund: Freude

Mit dem Schwanz wedeln Katze: Wut, Aggression

Und plötzlich stehen sich beide gegenüber. Gegenseitiges Verstärken der Gefühle führt zum Krieg – spätesten nach dem ersten Kratzer auf der Nase.

Es gibt nur eine Lösung für Hund und Katze – Kennenlernen. Möglichst früh.

Verzweifeltes Urteil: Ich kenne mich selbst nicht mehr.

Schwierige Aufgabe, sich selbst kennenzulernen. Dazu fremde Spiegel sorgsam wählen: Runde und eckige, saubere und …

Gute Nacht!

 


Kommunikation

Kommunikation

Kommunikation


Uneingeschränkte Filmempfehlung: Wildes Herz

Meine Filmkritik, die ein Filmlob ist, muss keinerlei fremden Maßstäben genügen, deshalb darf sie ganz privat sein. Es ist schön, so frei zu sein. Deshalb darf ich sagen, dass mir der Film schon deshalb nah ist, weil ich die Orte kenne, weil die Heimat – ja, das ist ein Heimatfilm – des Protagonisten Monchi auch eine meiner Heimaten ist.

Die meisten Menschen, denke ich, haben mehr als eine Heimat. Der Trend geht auch hier zum Plural.

Da ist der Ort, an dem sie aufgewachsen sind – und vielleicht ein anderer, an dem sie mit den Eltern die Wochenenden verbrachten. Oder der Ort, an dem sie bei Oma und Opa die Ferien verbrachten. Oder ein Ort, an dem sie irgendwann ankamen, nach der Ausbildung. Der Ort, an dem die Liebste oder der Liebste wohnte. Es gibt viele Orte, an denen Mensch Heimat finden kann, weil dort Menschen sind, die andere Menschen lieben können. Bäume, Felder, ein Kuckuck und ein Pferd…

In dem Mecklenburg, in dem die Monchi zu Hause ist, verbrachte ich viele Sommer und manchmal auch die Winterferien – Anklam, Jarmen – Orte der Kindheit.  Das vergisst man nicht. Nicht die Schwalben und die Millionen Fliegen am Pferdestall, von denen ich hunderte erschlug, um mein Schwalbenjunges durchzubringen. Meine Großtante Berta habe ich natürlich nicht vergessen und nicht die angewärmten Betten im Winter, nicht die Ziege und schon gar nicht die Armut der Region. Die Sprachfärbung im Film umarmt mich heimatlich. Dort starb das Küken nicht. Es hieß: Das Küken is do(o)t geblieben. Nie werde ich das vergessen.

Und warum lohnt es sich für alle, den Film zu sehen?

Ja, es ist ein Heimatfilm. Eine Heimat hat jeder, oder fast jeder. Monchi will seine Heimat nicht denen überlassen, die sie braun einfärben möchten, vielleicht auch ein wenig blau – aber vor allem einfärben mit Ausgrenzung, Hass und Intoleranz. Die sind schon da, die leben da und machen sich überall breit. Durch die Heimat von Monchi marschieren Nazis, die AFD bekommt mehr als 20 % der Stimmen.

Gut, dass Monchi singen kann. Dagegen ansingen. Für eine andere Gesellschaft singen mit den Leuten seiner Band und manchmal auch mit anderen… Campino zum Beispiel.

Gut, dass Monchi singen kann. Naja, ich sage mal, er hat Gewalt in der Stimme und wiegt ein paar Kilo zu viel. Er trägt New Balance und sagt, was er denkt. Der lacht über Nazis und hat genügend Wut. Ein Typ, den ich kenne. Damals, bei Hansa Rostock…  Nicht wirklich, aber irgendwie. Fußballfan eben zuerst und dann auch ein bissel Stress gehabt. Na, wie das so ist. Da ist der Bahnhof, an dem der Zug nicht weiterfährt. Die Fans frustiert. Das ist eine Kurzfassung dessen, was passiert, wenn Leute frustriert sind: Diese wackligen Bilder aus einer Amateurkamera halten den kleinen Krieg fest. Den geduldeten Inlandskrieg. Frustabbau auf beiden Seiten und ein paar Verletzte.

Fußball ist unpolitisch. Zuerst. Dann plötzlich nicht mehr. Immer je nachdem.

Wildes Herz – das ist ein Heimatfilm. Ein antifaschistischer Film. Ein Musikfilm. Ein Jugendfilm. Ein Film über die Frage nach dem Abhauen und Dableiben. Die dort Musik machen, entscheiden sich fürs Dableiben und für den Kampf. Das klingt rau, nach SKA und Punk und ist eben ruppig und struppig und lebendig. Und Kunst.

Monchi wird nicht zum Helden gemacht. Er will auch keiner sein. Nimmt kein Handtuch mit ins Bad (das versteht ihr, wenn ihr den Film seht) und ist auch sonst nicht immer nur toll.

Der Film macht Mut. Aufstehen ist nicht sinnlos. Das ist sein allergrößter Verdienst. Danke an Monchi und die Filmemacher (Charly Hübner und Sebastian Schulz für Drehbuch und Regie) und an Feine Sahne Fischfilet.

 

 


Berlin

Berlin

Berlin


Schwarzmilan

Schwarzmilan

Schwarzmilan


vergeigt, klein, klein

ach, habe doch nichts gesagt,

nichts unerlaubtes gewagt, niemals!

wusch meine fleißigen, sauberen hände,

in weichem wasser sicherheitshalber,

ich verabscheute den fremden zweifel,

habe garantiert keine fragen gestellt,

machte die treuen, blauen augen zu

und genau durch alles durch trefflich,

war ein braves erwachsenes kind,

ich bin wirklich, wirklich

nicht schuld,

immer noch nicht,

an gar nichts schuld oder schuldig,

denn ich habe nichts gemacht,

prinzipiell niemals

und das immer –

nicht an falscher stelle gelacht,

nicht über irgendetwas nachgedacht,

keine stellung bezogen,

ehrlich gesagt,

nur ganz selten gelogen,

höchstwahrscheinlich nichts,

nichts, gar nichts,

überhaupt nichts getan.

 

fazit:

tja

flüssig durchs leben geschwommen

und am ende doch umgekommen.


Die Macht der Gute-Nacht-Geschichte

Ihr müsstet längst im Bett sein!

L. und T. gucken so, wie alle Kinder gucken, die keineswegs ins Bett möchten.

Okay, ich erzähle eine Gute-Nacht-Geschichte. Das wirkt. Schnell liegen die beiden im Bett. Ich erzähle von dem Bären, der den Honig so liebt und der Biene, die ihn sammelt.

L. schläft nach weniger als zwei Minuten.

Mach die Augen zu, sagte ich zu T., die das sofort tut, es dauert keine Minute, da schläft auch sie.

Okay, sehr spannend war meine Geschichte wohl nicht. Aber wirkungsvoll!


Alle Religionen sind intolerant. Alle Götter Verbrecher.

TEXT? Fehlanzeige! Falls Gott kommentieren möchte – bitte – nur zu…

Glaubt mir, es ist gesünder zu wissen und nicht zu glauben!