Der Pakt mit dem Teufel

Sie sind zu allem fähig, das wusste ich.

Trotzdem war ich überrascht.

Wenn ich wüsste wohin, würde ich Koffer packen, wie meine Großmutter 1933.

Heimat, meine Trauer…


Berlin

Berlin ist die Stadt, in der sich Fuchs und Mensch „Gute Nacht“ sagen.


Stille

Stille wünsche ich mir,

aber nur ganz leise,

damit ich nicht störe.


Land im Dämmerschein

Was ich höre, macht mich sprachlos.

Mir fehlen die Worte.

Ich trauere um meine verlorende Heimat,

die doch nicht mehr als ein Gefühl war.

Aufatmen im Nachbarland.

Dort verstehe ich zu wenig.

Ein Glück, denke ich.


Rücksichtslos

Es ist rücksichtslos den Lesern gegenüber, wenn ein Text nicht so gut wird, wie er sein könnte. Einzig akzeptable Entschuldigung für erahnte und gewisse Unzulänglichkeit ist die notwendige Frühgeburt des Textes.


Nächstenliebe

Auf dem Alex. Alle sind irgendwie in Eile. Nur die Obdachlosen nicht. Einer füttert die Möwen, die kreischend um Brotfetzen balgen. Das Fahrrad des Obdachlosen ist behängt mit vollen Taschen. Habseligkeiten. Seit 8 Jahren auf der Straße. Sammelt die Essenreste aus den reich gefüllten Müllbehältern.

Die Äpfel sind für die Wildschweine am Wannsee. Die kommen in der Nacht und haben Hunger. Niemand sollte hungern, sagt der Obdachlose. Nächstenliebe auch für arme Schweine…

Für die Schweine am Wannsee


Ausgesetzte Satzteile

Ausgesetzte Sätze gefunden.

Das Satzgefüge im Sitzen gesehen.

Die Satzung lungerte herum.

Der Satz blieb stumm.

Satzteile

Satzteile


Glück

Glück ist –

lehrt mich die Erfahrung –

eine vorübergehende Angelegenheit,

für die ich meistens

keine Zeit habe.

Großspurig beschlagnahmt der Alltag

alle Sinne.

Rücksichtslose Vereinahmung,

fluche ich trotzig in mich hinein.

Beim Aufräumen werfe ich die vertrockneten achtlos Blumen in den Müll.

Schade.


10. November: alles anders und doch gleich

Für B.S.

Wir haben den 9. November nicht verschlafen.  Unterschiedlichsten Orts wachten wir über Vergangenheiten. Vergebliche Liebesmüh? Hinterrücks überfielen uns kratzbürstige Erinnerungen. Wir begegnen ihnen in Habachtstellung. Ich schließe die Augen und halte mir die Ohren zu. Will zur Ruhe kommen, aber es geht nicht. Laut tösend durchbricht der Feuerwerkslärm meine Schallschutzfenster. Sogar die Ratten verkriechen sich. Ach, denke ich, vielleicht wäre Alkohol doch eine Lösung und bedaure, dass ich keinen trinke. Hellwach blicke ich in eine Zukunft, die ich nicht angefordert habe.

Damals in der Küchentischzeit, als wir noch dichter dichteten und die Nächte kein Verfallsdatum hatten, uns jedes Wohnzimmer einen ehrlichen Spielplatz der Kunst bot, damals in der Küchentischzeit, war die Zukunft uns anders und näher.

Erinnerungen sind wie Weckrufe. Wir haben uns die Nähe bewahrt. Über dreißig Jahre. Das lässt hoffen. Machen wir was draus.

War sehr schön heut mit Dir.


Das gespaltene Land

Das gespaltene Land feiert extatisch den Mauerfall. Die meisten Bürger feiern mit. Erinnerungsmonopolisten beherrschen die groteske Szene. Der grelle Scheinwerfer ist auf das ehemalige Land im Osten gerichtet. Der alte Westen bleibt schattengleich im Dunklen.

Etwa die Hälfte der Bürger im Osten fühlt sich als Mensch 2. Klasse. 100 % der im Osten arbeitenden Bevölkerung bekommt weniger Lohn, weniger Rentenpunkte. Was wird da gefeiert?  Der zeitweise Sieger der Geschichte, der Kapitalismus, zeigt weltweit seine grausige Fratze. Dass er das kann, verdankt er auch dem Fall der Mauer. Unrechtsstaaten so weit wie das Auge blickt. Die Demokratie ist nur ein vorläufiges Trostpflaster.

Auf die Tagesordnung gehörten: Kriege, Ausbeutung, Armut und die Zerstörung des Planeten.